Geschichten aus Kirche und Wirtshaus

Osterhofen 28. April 2018 – Deggendorfer Zeitung

Interessante Führungen an der Wallfahrtskirche auf dem Kreuzberg und zum Landgasthof Knöckl

Haardorf. Im Rahmen der Reihe „Kirche und Wirtshaus“ der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) sind in Haardorf die Wallfahrtskirche auf dem Kreuzberg und der Landgasthof Knöckl besucht worden. Zu dieser Veranstaltung begrüßte Pfarrgemeinderatsvorsitzender Rolf Schwinger sehr viele Gäste aus der Waldseite, aber auch aus dem Gäuboden. Gekommen waren zudem Pfarrer Christian Altmannsperger, Pfarrvikar Joshi, stellvertretender Landrat Roman Fischer, Vorsitzender der KEB Wolfgang Geier, Geschäftsführerin Brigitte Eichinger, die Stadträte Fritz Gößwein und Robert Kröll sowie Kirchenpfleger Johann Weigl. Dazu begrüßte er Alois Dorfmeister, der neben dieser Kirche wohnt und die sozusagen „seine“ Kirche ist und Josef Schmid, der sich in alte Urkunden und Dokumenten des Landgasthofes vertieft hatte.

Man vermutet, dass sich auf dem Kreuzberg zur Römerzeit ein Diana-Heiligtum befunden hat. Nachgewiesen ist ein Kastell auf dem heutigen Mühlberg. Später entstand eine Burg, die den Grafen von Hals gehörte. Nach Forschungen und Vermutungen von Dr. Herbert Wurster ist die heutige Kreuzbergkirche aus einer Kapelle dieser Burg entstanden, die aufgrund der vielen Wallfahrer im Westen durch Seitenaltäre 1712 erweitert wurde. Sie waren der Hl. Maria und dem Herzen Jesu geweiht. Am Karfreitag und Karsamstag ist in dieser Vorhalle das Heilige Grab aufgebaut. Anstelle einer Erweiterung der Kirche wurde ab 1763 die Arkadenhalle errichtet.

Alois Dorfmeister führte aus, dass das Gnadenkreuz, ein romanischer Kruzifixus, früher im Freien gestanden hatte und aus Eichenholz geschnitzt wurde. In die Seitenwunde wurden in früheren Zeiten Dankzettel für Gebetserhörungen, Bitten, aber auch Münzen eingeworfen. In damaliger Zeit war der Glaube an Gott, die Kirche, oft eine Anlaufstelle wie bei einem Doktor. Wenn es einem schlecht ging, konnte man hier sein Leid klagen. Es gibt zahlreiche anerkannte Wunder und noch mehr Gebetserhörungen. Genauere Aufzeichnungen findet man im Mirakelprotokoll von 1775.

Ursprünglich war Maria Magdalena nicht unter dem Kreuz, wie frühere Bilder zeigen. Heute kniet sie darunter neben dem Lieblingsjünger Johannes und Mutter Maria.

In der Kirche sind sogenannte Berührreliquien aufbewahrt. Zu Hochzeiten der Wallfahrt auf den Kreuzberg gab es hier acht Priester in Haardorf. Um den Einfluss herrschte über Jahrhunderte eine Rivalität zwischen dem Kloster Niederalteich und dem Kloster Osterhofen (heute Altenmarkt). Zur 600-Jahr-Feier 1862 sollen 38 000 Pilger gekommen sein. Dies war auch dadurch möglich, weil es in Langenisarhofen und Osterhofen einen Bahnhof gab.

Sehr unterhaltsam, mit viel Fachwissen untermauert, erzählte Alois Dorfmeister eine Geschichte, als ein Bauer aus Winzer bei der Überfahrt seine Frau töten (lassen) wollte. Doch mit Hilfe Gottes endete es ganz anders. Der Bauer rutschte auf der Fähre aus, stürzte in die Donau und ertrank. Auch in heutiger Zeit finden vereinzelte Wallfahrten auf den Kreuzberg statt, wie alljährlich aus der Pfarrei Isarhofen.

Kirche und Wirtshaus sind wichtige Kulturpunkte. Vor allem das Wirtshaus war da um zu streiten, um lustig zu sein, um Theater zu spielen und um zu singen. Vorbesitzer war ein „Schmid“, der in Haardorf Hirte war. Durch Verschuldung war es in den Besitz des Klosters Niederalteich gekommen. Josef Schmid führte aus, dass das Gebäude am 20. Februar 1936 von Anton Knöckl aus Pitzling gekauft wurde und bis heute als Wirtshaus erfolgreich betrieben wird. Schmid möchte, dass heute das Bier genau noch so viel koste wie damals, nämlich 30 Pfennig. Gegenüber befand sich eine Kegelbahn, die inzwischen als Unterstellmöglichkeit genutzt wird. 1978 wurde das Gebäude von Anton und Wilhelma Knöckl neu gebaut. Die größte Veränderung ist, dass es im 1. Stock keinen Saal mehr gibt. Die Gasträume werden heute für Veranstaltungen der Vereine und für Familienfeier genutzt. Heute betreiben Erhard und Christa Knöckl das Wirtshaus. Es ist wie damals auch heute noch ein Umschlagplatz von Informationen, ob wahr oder erfunden. sr 

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