„Chaostrinker sind in Osterhofen nicht erwünscht“

Osterhofener Zeitung 07.05.2011

Heftige Debatte im Stadtrat über Faschingsmarkt-Verordnung: Security durch die Stadt oder massive Polizeipräsenz ?

Osterhofen. Ausführlich und zum Teil mit recht unterschiedlichen Ansätzen haben die Stadträte am Donnerstagabend über die Zukunft des Faschingssonntags diskutiert. Mehrmals musste Bürgermeisterin Liane Sedlmeier an die Disziplin mahnen. Einig war man sich anfangs nur in einem: Der Faschingsmarkt, aber vor allem der Faschingszug solle nicht abgeschafft werden. Doch um künftig für Ordnung am Faschingssonntag zu sorgen, sei die Stadt „in Zugzwang“, betonte Sedlmeier, und müsse eine Verordnung erlassen. Denn „es kann nicht sein, dass ein geringer Prozentsatz von Chaoten die Veranstaltung kaputt macht.“ Angriffe von Jugendlichen gegen die Staatsmacht habe es in dieser Dimension noch nicht gegeben, fügte 2. Bürgermeister Thomas Etschmann an. Die Veranstaltung sei deshalb vom Funktionieren der Security abhängig, sonst müsse man sie abschaffen. Auf seine Frage nach den Kosten erläuterte Bürgermeisterin Sedlmeier, dass 15 bis 20 Leute eines Sicherheitsdienstes für diese Veranstaltung schätzungsweise rund 2000 Euro kosten. Starke Kritik äußerte Stadtrat Florian Erl: Das Konzept sei nicht umsetzbar. Denn die zeitliche Begrenzung auf 16 Uhr ließe sich nur am Stadtplatz, nicht aber in den umliegenden Bereichen kontrollierbar. Hinsichtlich der Absperrungen erinnerte er an die Tragödie bei der Loveparade in Duisburg und fragte, wer an den Zugängen entscheide, welche Personen zu betrunken seienumeingelassen zu werden. Das Problem sei, dass Osterhofens Faschingsmarkt überregional bekannt sei für ausschweifenden Alkoholgenuss. Deshalb forderte er als Alternative: Die Polizei müsse härter durchgreifen und wesentlich größere Präsenz zeigen. Bei 2500 Besuchern forderte er zehn bis 15 Polizisten anstelle von vier, „dann erledigt sich das Ausufern in Osterhofen in ein paar Jahren von selbst.“ Dem hielt Sedlmeier entgegen, dass Absperrungen und Security auch beim Open Air in Gergweis bestens funktionierten. Zudem sei in erster Linie die Stadt für dieOrdnung zuständig: Diese müsse „mit einem gewaltigen Security-Aufgebot dafür sorgen, dass die Veranstaltung reibungslos über die Bühne geht“. Deren Mitarbeiter seien auch dafür geschult, Alkoholisierte zu erkennen.

Verlegung auf Montag mit 5 : 15 abgelehnt

Mehr Polizeipräsenz, so die Bürgermeisterin, sei nicht möglich. Und Geschäftsleiter Heribert Englmann ergänzte: „Die Polizei ist nicht dazu da, eine Veranstaltung vor sich selbst zu schützen“, sondern könne nur nach Straftaten einschreiten. Zwar für die vorgestellten Maßnahmen, aber verärgert über das Vorgehen der Stadt zeigte sich Georg Lex. Denn die CSU hatte bereits im Januar beantragt, den Fasching wieder auf den traditionellen Termin des Rosenmontags zu verlegen. Und sich anstelle von lauter Discomusik wieder auf die ursprüngliche Bedeutung des Faschings zu besinnen. Dem schloss sich auch Johann Mandl an, der an die einstmals kleine Veranstaltung in seiner Kindheit erinnerte, bei der „Bumsköpfe“ flogen. Recht unterschiedlich waren die Aussagen der Stadträte, ob die Geschäftswelt eine Verlegung auf den Rosenmontag befürworte oder ablehne. Eindeutig hingegen das Abstimmungsergebnis im Stadtrat: Mit 5 : 15 Stimmen bleibt der Markt am Faschingssonntag. Trotz Zustimmung zum neuen Konzept bemängelte auch Robert Kröll eine inhaltliche Belebung des Faschingsmarkts. Zudemschlug er vor, bei jugendlichen Besuchern mit farbigen Armbändern das Alter zu kennzeichnen. So könne an der Bar einfach entschieden werden, ob an sie Schnaps ausgeschenkt werden dürfe. Dr. Christian Kuchler führte an, ein wahrlich „blauer Markt“ sei erschreckend und müsse abgeschafft werden. Wichtiger sei jedoch der Faschingszug, deshalb unterstütze er die Maßnahmen zum Erhalt des Faschingssonntags. Allerdings sollte man die Veranstaltung für das unerwünschte Klientel möglichst unangenehm machen, eben mit verschiedenfarbigen Armbändern je nach Alter sowie Schlagern zum Schunkeln. Er hielt Kosten von 2000 Euro für die Security allerdings für unrealistisch niedrig. Zudem warnte er, der Bereich außerhalb des Stadtplatzes ließe sich nicht kontrollieren: Auf Facebook werde bereits für 9 Uhr zum Faschingsmarkt eingeladen, und auch auf dem Weg zum Bahnhof fänden sich stets zahlreiche Betrunkene.

Besinnung auf die Bedeutung des Faschings

„Dieser Faschingsmarkt ist nicht traditionell“, stellte Dr. Günter Müller fest. Er habe am Faschingssonntag einen „erschreckenden Eindruck“ gewonnen und sei auch von Eltern angesprochen worden, dass sie solch ein Fest nicht mehr besuchen wollten. „Hypermoderne Discomusik“ schrecke Kinder und Familien ab, stimuliere aber Jugendliche zum Trinken. Die Verordnung sei notwendig, damit Security und Polizei eine Handhabe hätten, strich Müller heraus. Auchwennder organisatorische und finanzielle Aufwand für die Stadt nicht unerheblich seien. Zudem appellierte er an alle Helfer und Vereine, mit bestem Beispiel voranzugehen, um das Fest zu retten: „Chaostrinker sind in Osterhofen nicht erwünscht“. Der Allgemeinarzt warnte davor, Alkoholprobleme zu verharmlosen, viele Jugendliche lernten den falschen Umgang damit in Familie und Freundeskreis. Deshalb seien drastische Maßnahmen wie in der Verordnung vorgeschlagen nötig, umden Markt vor in Gruppen trinkenden Jugendlichen zu bewahren. Er schlug eine Diskussion im Sozialausschuss vor, bei der Jugendbeauftragter Michael Ammerstorfer aufklären solle, warum sich Jugendliche unkontrolliert dem Alkohol hingeben. Ammerstorfer hingegen brach eine Lanze für die Jugend: „Auch heute sind die meisten Jugendlichen anständige Leute“, sagt er und fügte an, die „Narrischen“ hätten nicht in der Quantität, aber in der Qualität zugenommen. Er sprach sich für die Rückverlegung auf den Montag als Alleinstellungsmerkmal heraus. Zudem kritisierte er die Abstimmung über den CSU-Antrag nach der Diskussion über die neue Verordnung als „Schiebung“. Dies bemängelte auch Alfons Saller, zudem störte er sich vehement daran, die Verordnung solle 20 Jahre lang gelten: „Das ist mit mir nicht machbar.“ Der Zeitraum sei eine allgemeine Formalie, erläuterte Geschäftsleiter Englmann, die auch dann gelte, wenn man sie nicht eigens festschreibe. Letztendlich einigte sich der Stadtrat, die zeitliche Begrenzung nicht festzulegen, so dass auch Alfons Saller der Verordnung zustimmte. Die einzige Gegenstimme bei der Abstimmung stammte von Florian Erl. − gs

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