Achtung, Maibaum!

Osterhofener Zeitung 26.04.2014

Wenn die Tradition gefährlich wird–Vereinen war Haftung nicht bewusst – Stadt bietet Unfallversicherung an

Maibaum

Von Tina Sprung

 Osterhofen. Einen Maibaum stellt man in der Region nichtmit einem Kran auf. Es brauchtstarke Männer, „Schwaiberl“und richtig „Irxenschmalz“, einkräftiges Hau-Ruck, bis die Spitzedes Maibaums senkrecht inden Himmel ragt. Das hat inBayern Tradition, kann aber gefährlichsein. Denn wenn derMaibaum zum Versicherungsfallwird, ist das eine schwierige Angelegenheit.In der Vergangenheitgab es schon Unfälle in Bayern,teils mit tödlichem Ausgang.Im Ernstfall muss bei unzureichenderAbsicherung die privateVersicherung des Verantwortlichenhaften, sagt Stefan Liebl,Pressesprecher der VersicherungskammerBayern. Seit 2003befassen sich die Mitarbeiter mitder „Maibaum-Problematik“,schulten bereits 570 Teilnehmerim Seminar „Maibäume, Spielplatzgeräteund andere Holzwerkstoffeim öffentlichenRaum–Darstellung von Schutz-Kontroll- und Prüfmaßnahmen“,bilanziert Liebl.Grund genug auch für SPDStadtratRobert Kröll, Vereinenunter die Arme zu greifen. Denn:Es reicht nicht aus, wenn einKommandant der Feuerwehrbeim Aufstellen anwesend istoder auch mithilft. „Wenn dieFeuerwehr Aufsteller des Baumesist und als Veranstalter eintritt,dann gibt es die Zusatzversicherungbei der Stadt, bei derdann die Mitglieder der Feuerwehrhaftpflichtversichert sind“,erklärt Geschäftsstellenleiter JosefFeuerecker, aber „nicht dieehrenamtlichen Helfer.“ Für dasMaibaumaufstellen besteht fürjeden Feuerwehrler gesetzlicherUnfallversicherungsschutz.„Das Problem gab es in Haardorf,dass die Veranstalter nichtrichtig versichert waren“, erklärt Kröll. Vielen Vereinen war nichtbewusst, dass sie keinen ausreichendenVersicherungsschutzhatten. Daraufhin reichte er imMärz einen Antrag im Stadtratein, dass es für Vereine die Möglichkeitgeben soll, dass die Helferunfallversichert werden, derangenommen wurde.Jetzt tritt die Stadt in Aktionund kommt den Vereinen entgegen:Bei einer Infoversammlungletzte Woche informierte GeschäftsleiterFeuerecker die Vereinsmitglieder.Er erklärte, dassdie Aufsteller nun einen Antragbei der Stadt stellen können. Nebender namentlichen Angabeder Helfer müssen die Veranstaltereinen verantwortlichen Leiterbestimmen, der, soheißt es indem Formular, „auf die Einhaltungder einschlägigen Unfallverhütungsvorschriftenachtet.“Der Leiter braucht dafür ein bestimmtesAlter und technischeErfahrung. Das heißt aber nicht,dass dieser dann haftet, das tueim Schadensfall die Versicherung.Die Suche nach einem geeignetenLeiter stellt aber fürmanche Vereine ein Problemdar, so auch für die Landjugendin Gergweis.„Kurzfristig konnten wir keinenLeiter finden, der die Verantwortungübernimmt und dasAufstellen überwacht“, sagt 1.Vorsitzender Matthias Stöger.Deshalb habe die Landjugendkeinen Antrag eingereicht. Vereine,deren Mitglieder sehr jungsind, können Schwierigkeitendamit haben, einen Verantwortlichenmit genügend Erfahrungzu finden.Versichert sind dieVerantwortlichen nun nicht.Beim Tischkegelclub Haardorfist dies nicht der Fall. VorsitzenderErhard Knöckl ist zufrieden,der Verein wird das Angebotder Stadt in Anspruchnehmen. „Wenn irgendwas ist,muss jemand herhalten. Das warschon immer so. Ich finde es gut,dass die Helfer nun unfallversichertwerden“, findet Knöckl.Anders läuft es bei der Haftpflicht– hier greift die kommunaleVersicherung nicht: „Damüssen sich die Vereine selbstabsichern, da wir das nötige Personalzur Beaufsichtigung nichthaben“, erklärt GeschäftsleiterJosef Feuerecker. Sonst müssenämlich bei der Aufstellung jedesBaumes der Bauhofleiter anwesendsein, doch „bei so vielenMaibäumen in der Region gehtdas nicht“, erklärt Feuerecker.Den Nachweis der Versicherung– die Police – muss in Kopie beider Stadt eingereicht werden.