Quelle: Mediengruppe Attenkofer, Ausgabe Plattlinger-Anzeiger vom Freitag, 22.01.2026. Autorin Angelika Gabor
Explodierende Beiträge für Elementarversicherungen und weiterhin offene Fragen: IG „Gleicher Hochwasserschutz für Alle“ wendet sich mit einem Hilferuf an Landrat Sibler
Von Angelika Gabor Osterhofen

Land unter hieß es zuletzt 2024 in Künzing und Osterhofen. Dringend wird der weitere Donauausbau erwartet, doch der Planfeststellungsbeschluss lässt auf sich warten. Foto: Siegfried Lobmeier
Die Sorgen der Donauanrainer im Raum Osterhofen und Künzing nehmen weiter zu. Zum Jahreswechsel haben die Mitglieder der Interessengemeinschaft „Gleicher Hochwasserschutz für Alle“ erneut beunruhigende Nachrichten erreicht. Mehrere Versicherungen haben die Beiträge für Elementarversicherungen deutlich angehoben – teils um bis zu 50 Prozent. Das berichtet die Sprecherin der Interessengemeinschaft (IG), Andrea Scheday. In einzelnen Fällen wurden sogar langjährige Versicherungsverträge gekündigt, obwohl zuvor kein Schadensfall eingetreten war.
Besonders hart trifft diese Entwicklung landwirtschaftliche Betriebe. Ihnen wurde mitgeteilt, dass bestehende Versicherungen nicht weitergeführt werden können und künftig individuelle Einzelfallprüfungen notwendig seien. „Bei uns kocht es schon wieder ganz mächtig hoch“, fasst Andrea Scheday die Stimmung unter den Betroffenen zusammen. Die Verunsicherung wächst – nicht zuletzt, weil der neue Ärger in eine ohnehin angespannte Situation fällt.
Zentrales Problem ist weiterhin ungelöst
Denn ein zentrales Problem der Donauanrainer ist weiterhin ungelöst: Wann kommt endlich der Planfeststellungsbeschluss für den nächsten Bauabschnitt des Hochwasserschutzes zwischen Deggendorf und Vilshofen? Für die Anwohner im Überschwemmungsgebiet auf der rechten Donauseite, unter anderem in Osterhofen und Künzing, ist es besonders frustrierend, dass der Ausbau des Hochwasserschutzes seit Jahren nur sehr schleppend vorankommt. Der Planfeststellungsbeschluss war ursprünglich bereits für den Sommer erwartet worden, wurde dann jedoch überraschend erneut verschoben. Diese Verzögerung trägt maßgeblich zur wachsenden Unsicherheit der Bürger bei, weiß die Sprecherin der IG.
Festzustehen scheint allerdings, dass die drastischen Beitragserhöhungen oder Vertragskündigungen nicht unmittelbar mit der ebenfalls lange diskutierten Frage der Haftungsfreistellung beim Bauen im Überschwemmungsgebiet zusammenhängen. Obwohl dieses Thema formal nicht mehr Bestandteil neuer Baugenehmigungen ist, wirkt aber es für viele Betroffene weiterhin nach. Bauherren mussten im Rahmen der Haftungsfreistellung erklären, dass sie über das Hochwasserrisiko informiert sind, mögliche Überflutungen akzeptieren und dauerhaft eine Elementarversicherung abschließen. Die IG hatte diese Regelung von Anfang an kritisiert und früh darauf hingewiesen, dass eine solche Haftungsfreistellung den Versicherungsschutz im Schadensfall gefährden könnte.
In der Folge initiierte die IG zahlreiche Gespräche mit dem Landratsamt und politischen Entscheidungsträgern auf Ministeriumsebene. Dabei kristallisierte sich heraus, dass die Haftungsfreistellung in dieser Form rechtlich unwirksam ist. Für neue Bauanträge wird sie daher nicht mehr verlangt. Für bereits erteilte Haftungsfreistellungen gibt es jedoch bis heute keine einheitliche Lösung. Im Sommer 2025 wurden die Betroffenen darüber informiert, dass die Haftungsfreistellung nicht mehr gilt und dieses Schreiben bei den Versicherungen vorgelegt werden könne. Ob dies jedoch ausreicht, um den dauerhaften Versicherungsschutz sicherzustellen, blieb offen. Mit all diesen Problemen wandte sich die Interessengemeinschaft nun erneut mit einem Hilferuf an den Deggendorfer Landrat Bernd Sibler. Die Gespräche seien sehr konstruktiv verlaufen, bestätigt Andrea Scheday. Besonders unter den Nägeln brannte den Donauanrainern dabei die Frage nach dem erneut verschobenen Planfeststellungsbeschluss.
Landrat will alle politischen Kanäle nutzen
Landrat Bernd Sibler versicherte, weiterhin alle Hebel in Bewegung zu setzen, um das Verfahren so schnell wie möglich voranzubringen. Er wolle bei den politisch Verantwortlichen nicht locker lassen.
Auch die frühere Haftungsfreistellung wurde in den Gesprächen thematisiert. Laut Regierungsdirektorin Heidi Bischoff und Landrat Sibler habe es für die betroffenen Eigentümer, die sich im Anschluss selbst mit ihren Versicherungen auseinandersetzen mussten, keine grundsätzlichen Probleme gegeben. Alle Versicherungen, bis auf eine einzige, mit denen das Landratsamt Deggendorf Kontakt hatte, hätten demnach die Verträge weiterlaufen lassen. Umso bestürzter zeigte sich Landrat Sibler über die aktuellen Entwicklungen. Beitragserhöhungen von bis zu 50 Prozent, gekündigte Verträge und die Notwendigkeit neuer Verhandlungen seien alarmierend. Die Mitglieder der IG legten ihm konkrete Beispiele vor, und Sibler zeigte sich sichtlich erstaunt über das Vorgehen einzelner Versicherungen. Handlungsmöglichkeiten habe das Landratsamt jedoch keine. Letztlich müsse jeder Betroffene selbst versuchen, eine bezahlbare Versicherungslösung zu finden.
Die Hoffnung vieler Donauanrainer ruht daher weiterhin auf dem Ausbau des Hochwasserschutzes. Mit einem abgeschlossenen Donauausbau könnten langfristig auch die Versicherungsbeiträge wieder sinken – eine Garantie dafür gibt es allerdings nicht. Umso dringlicher sei es, so Andrea Scheday, dass der lang ersehnte Planfeststellungsbeschluss endlich kommt. Immer deutlicher werde, dass davon nicht nur der Hochwasserschutz abhängt, sondern auch die Zukunft und die Weiterentwicklung der Anwesen entlang der Donau.
