11.12.2025 Sitzung des Stadtrates
Am Donnerstag, in der Stadtratssitzung, habe ich darum gebeten, das Thema Donau-Isar-Klinikum in der nächsten oder übernächsten Sitzung auf die Tagesordnung zu setzen. Es steht ja zurzeit sehr viel darüber in der Zeitung. Staatsanwaltschaft, Unterschlagung, Schulden und und und. Auch dass ich befürchte das die Kommunen das ganze ausbaden müssen, mit einer höheren Kreisumlage. Wir haben ja Kreisräte unter uns, die mit Sicherheit Rede und Antwort stehen können. Was kam mir da vielleicht für ein kalter Wind entgegen. (wie gesagt, ich wolle den Weihnachtsfrieden bewahren, und die Diskussion ins neue Jahr verlegen). Um keine Namen zu nennen, sage ich mal, besonders von einem Stadtratskollegen und Kreisrat war der Wind eiskalt. Das sei alles nicht so schlimm, und alles alte Sachen, und man sollte positiv in die Zukunft schauen, und das Alte hinter sich lassen. Schulden seien zwar da, aber da steht auch der Wert des Klinikums dahinter. Alles kein Problem. Und wenn ich mich nicht auskenne, sollte ich lieber still sein.Und im Nachgang sogar noch die Aussage: Das gehe mich als Stadtrat alles gar nicht an.
Und nur einen Tag später. Äußert unser Landrat im Grunde die gleichen Bedenken, natürlich etwas verhaltener und schöner umschrieben, als ich es getan habe. 🙂 Ob Herrn Sibler auch so ein kalter Wind um die Ohren pfiff wie mir… ich werds wohl nie erfahren.
Der Hintergrund:
Quelle: Mediengruppe Attenkofer, Ausgabe Plattlinger-Anzeiger vom Freitag, 12.12.2025. Autorin Angelika Gabor
Aussagen zum Klinikum scharf zurückgewiesen
Stadtrat Robert Kröll fordert Auskunft und erntet deutlichen Widerspruch vom Bürgermeister
Von Angelika Gabor
Osterhofen. Eigentlich sollte die letzte Sitzung des Osterhofener Stadtrats vor Weihnachten mit besinnlichen Worten enden. Doch der vorweihnachtliche Frieden wurde durch eine Forderung des SPD-Stadtrats Robert Kröll sichtlich gestört. Mehr noch Bürgermeister und Gremium zeigten sich spürbar irritiert, als Kröll verlangte, der Verwaltungsratsvorsitzende des Donau-Isar-Klinikums solle im Stadtrat Rede und Antwort zu den aktuell laufenden Ermittlungen sowie zur finanziellen Lage des Klinikums stehen.
Kröll begründete seinen Vorstoß damit, dass das Defizit des Donau- Isar-Klinikums möglicherweise zu einer höheren Kreisumlage führen könnte – was wiederum Mittel im städtischen Haushalt binde, etwa für Projekte im Hochwasserschutz. Für ihn sei es daher notwendig, Aufklärung einzufordern, bevor die finanziellen Auswirkungen die Kommunen belasten. Zudem sei der Ruf des Klinikums „auf Jahre ruiniert“, so Kröll wörtlich.
Etschmann dementiert
Bürgermeister Thomas Etschmann reagierte ungewöhnlich deutlich und wies die Forderung klar zurück. Er stellte richtig, dass die derzeitigen Ermittlungen nicht gegen das Donau-Isar-Klinikum als Einrichtung gerichtet seien, sondern sich „lediglich gegen eine einzelne Person“ richteten, die dort beschäftigt gewesen sei. Zudem gelte selbstverständlich die Unschuldsvermutung. Etschmann betonte weiter, dass die drei Klinikstandorte in Deggendorf, Dingolfing und Landau hervorragende medizinische Arbeit leisten. „Das Personal hält gerade jetzt mehr denn je zusammen und blickt nach vorne“, sagte er. Die Ermittlungen hätten zudem nichts mit der finanziellen Situation des Klinikums zu tun. Wie sich das Defizit letztlich auf die Kommunen auswirke, sei völlig offen. Der Kämmerer der Stadt, Bernhard Thaller, werde zu gegebener Zeit im Finanzausschuss eine fundierte Einschätzung abgeben.
Der Bürgermeister machte auch klar, dass Landrat Bernd Sibler als stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender der Einrichtung keinerlei Auskünfte zu laufenden Ermittlungen geben dürfe – weder rechtlich noch tatsächlich. Eine Einladung ins Stadtratsgremium sei daher unzulässig und sinnlos.
Reaktion von Fritz Gößwein
Besonders scharf fiel die Reaktion von Fritz Gößwein aus, der als stellvertretender Verwaltungsrat des Klinikums sowohl die Forderung als auch die begleitenden Aussagen Krölls kritisierte. Er sei „fassungslos“ über die Unterstellung, das Klinikum stehe insgesamt in einem schlechten Licht. Ganz aktuell habe der Verwaltungsrat Amelie Becher zum Vorstand des Donau-Isar-Klinikums ernannt – eine Personalentscheidung, die er als „fachlich wie menschlich hervorragend“ bezeichnete. Die neue Vorstandschefin bringe genau jene Kompetenz und Führungsstärke mit, die das Klinikum aktuell brauche. Sie überzeuge durch Fachwissen und behalte die menschlichen Belange im Blick. Gößwein nutzte die Gelegenheit, um eine Grundsatzkritik zurückzuweisen: „Wir müssen endlich aufhören, unsere eigenen Krankenhäuser schlechtzureden.“ Die drei Häuser seien modern ausgestattet, die Patientenversorgung sei nicht nur gesichert, sondern befinde sich auf dem neuesten Stand der medizinischen Möglichkeiten. Gerade in der aktuellen Krankenhauslandschaft sei es wichtig, Vertrauen zu stärken und nicht durch unpräzise oder falsche Behauptungen Unsicherheit zu schüren.
Die Wortmeldungen machten deutlich, dass Kröll mit seiner Forderung nicht den erhofften Rückhalt erhielt.
Quelle: Mediengruppe Attenkofer, Ausgabe Plattlinger Anzeiger vom Samstag 13.12.2025. Autorin Angelika Gabor
Donau-Isar-Klinikum bleibt handlungsfähig – trotz Ermittlungen
Dass Landrat Bernd Sibler in seiner Jahresabschlussrede nicht um das Thema Donau-Isar-Klinikum (DIK) herumkommen würde, war absehbar. Zu präsent sind die Ereignisse der vergangenen Wochen, zu groß die öffentliche Aufmerksamkeit rund um die Ermittlungen gegen eine einzelne Person. Und doch wurde schnell deutlich: Der Landrat wollte weder dramatisieren noch beschönigen, sondern einordnen, beruhigen und zugleich die enormen Herausforderungen klar benennen.
Spürbar bewegt machte Sibler keinen Hehl daraus, dass die Entwicklungen der vergangenen Tage den gesamten Verwaltungsrat mit großer Sorge erfüllten. Gleichzeitig stellte er unmissverständlich klar, dass die medizinische Versorgung der Bevölkerung in keiner Weise gefährdet sei. Trotz der schwierigen aktuellen Situation sei das Klinikum an allen drei Standorten – Deggendorf, Dingolfing und Landau – voll handlungsfähig. Die sehr gute medizinische Versorgung bleibe gesichert und werde es auch weiterhin, versprach der Landrat.
Sache der Staatsanwaltschaft
Die laufenden Ermittlungen, so Sibler, seien nun Sache der Staatsanwaltschaft. Das DIK selbst habe transparent reagiert. In einer Personalversammlung, einer Sondersitzung sowie einer regulären Sitzung des zuständigen Verwaltungsrats habe man umfassend informiert und auch die Öffentlichkeit frühzeitig eingebunden. „Wir halten nichts hinter dem Berg“, versicherte der stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende. Zugleich gelte weiterhin die Unschuldsvermutung. Ob und in welcher Form sich Vorwürfe bestätigen, müssten die Ermittlungen zeigen. Richtig sei allerdings auch, dass eine ohnehin angespannte Lage durch das Verfahren zusätzlich erschwert werde.
Besonders deutlich wurde Sibler beim Thema Finanzen. Das DIK befinde sich, wie nahezu alle Krankenhäuser in Deutschland, in „schwerer See“. Die Kosten seien deutlich stärker gestiegen als die Leistungen der Krankenkassen, obwohl in den Häusern fachlich sehr gute Ergebnisse erzielt würden. Sein ausdrücklicher Dank galt daher den hoch motivierten Mitarbeitern, die sich auch in dieser Phase in besonderem Maße mit „ihrem“ Krankenhaus identifizierten. Gemeinsam mit dem amtierenden Verwaltungsratsvorsitzenden Werner Bumeder, Landrat von Dingolfing-Landau, habe er diese Wertschätzung bei der sehr gut besuchten Weihnachtsfeier des Klinikums persönlich zum Ausdruck gebracht. Der Zusammenhalt sei ein entscheidender Faktor, um die aktuellen Herausforderungen zu bewältigen.
Mit Blick nach vorne machte Sibler deutlich, dass nun weitere strukturelle Schritte notwendig seien. Dazu gehörten die Erstellung von Leistungsgruppen und die Prüfung der medizinischen Angebote. Ziel sei es, den rasanten Kostenanstieg unter Kontrolle zu bringen. Gleichzeitig warnte der Landrat vor übereilten Entscheidungen. Strukturelle Weichenstellungen benötigten eine verlässliche Planungsgrundlage – diese fehle bislang sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene.
Unmissverständlich stellte Sibler klar, dass die finanziellen Lasten letztlich von den Kommunen getragen würden. Warum man diese enormen Herausforderungen dennoch annehme, beantwortete der Landrat selbst: Weil dem Landkreis und dem Kreistag die bestmögliche medizinische Versorgung der Bürger ein zentrales Anliegen sei. „Das treibt uns an, das ist unsere Kernmotivation“, sagte Sibler.
Auswirkung auf Kreisumlage
Offen blieb jedoch, wie sich die angespannte Finanzlage auf die Kreisumlage 2026 auswirken wird. Dazu konnte der Landrat noch keine verbindliche Aussage treffen. Entscheidend werde sein, wie hoch das Defizit des Klinikums für das kommende Jahr prognostiziert werde. Den Kreisräten rief er in Erinnerung, dass ein Ausgleich im Verhältnis 60 zu 40 zwischen den beiden Trägerlandkreisen Deggendorf und Dingolfing-Landau erfolge. Zudem stelle sich die Frage, ob und in welchem Umfang notwendige Investitionen an den Standorten finanziert werden müssten. Vieles deute darauf hin, dass hier erhebliche Mittel in die Hand genommen werden müssten. Man werde jedoch genau prüfen, was wirklich notwendig sei. Auch die Liquidität des Klinikums habe den Landkreis bereits im November 2025 beschäftigt und zum Handeln gezwungen. Eine ähnliche Situation könne auch 2026 erneut auftreten. Sibler erinnerte daran, dass es dem Landkreis im vergangenen Jahr gelungen sei, die Kreisumlage um 2,5 Punkte zu senken. Mit aktuell 47,5 Punkten liege Deggendorf niederbayernweit an der Spitze der niedrigsten Umlagen. Ob dieses Niveau gehalten werden könne, müsse allerdings offenbleiben. Zum Abschluss seiner Ausführungen konnte der Landrat auch positive Perspektiven aufzeigen. Zum Wintersemester 2027/28 sollen die ersten Studierenden am Medizin Campus in Deggendorf in die klinische Phase eintreten. Sibler zeigte sich zuversichtlich, dass ein Teil der angehenden Mediziner dauerhaft in der Region bleiben und als Haus- oder Krankenhausärzte arbeiten werde.
Großer Rückhalt
Im Anschluss an die Rede des Landrats meldeten sich die Fraktionsvorsitzenden im Kreistag zu Wort. CSU-Fraktionschef Barthl Kalb betonte, der Kreistag sei sich sehr wohl bewusst, wie deutlich der Schuh derzeit drücke. Bernd Sibler meistere die schwierige Situation rund um das DIK nach seiner Einschätzung geradezu vorbildlich. Der Fraktionssprecher der Jungen Liste, Stefan Stieglbauer, hob Siblers politisches Netzwerk und dessen Fachwissen hervor, das dieser unter anderem aus seiner Zeit als Wissenschaftsminister im Bayerischen Landtag mitbringe. Diese Erfahrung sei nun ein entscheidender Faktor bei der Bewältigung der Krise. SPD-Fraktionschef Bernhard Feuerecker, Christian Heilmann-Tröster für die Grünen sowie Dr. Josef Einhellig für die Freien Wähler signalisierten übereinstimmend Unterstützung für den eingeschlagenen Kurs. Kritische Nachfragen kamen hingegen aus den Reihen der AfD. Kreisrat Stefan Pertschy wollte wissen, wie die Sitzungen des Verwaltungsrats konkret ablaufen und ob die Vertreter beider Trägerlandkreise gemeinsam tagen. Sein Fraktionskollege Dr. Franz Talkner fragte darüber hinaus, ob für Kreisräte die Möglichkeit bestehe, Einsicht in die Protokolle der Verwaltungsratssitzungen zu erhalten, um sich ein umfassenderes Bild über Entscheidungen und die finanzielle Lage zu machen.
Landrat Sibler stellte dazu klar, dass der Verwaltungsrat selbstverständlich immer gemeinsam tage. Einsicht in die Protokolle sei jedoch ausschließlich den Mitgliedern des Verwaltungsrats vorbehalten, da es dabei auch um sensible Inhalte und Unternehmensstrategien gehe. Alle relevanten Informationen würden transparent an die Öffentlichkeit kommuniziert. Zu den laufenden Ermittlungen gebe es derzeit keine neuen Erkenntnisse. Damit endete die Debatte mit breitem Rückhalt für den Kurs des Landrats – aber auch mit dem klaren Bewusstsein, dass die kommenden Monate für das Donau-Isar-Klinikum und den Landkreis weiterhin große Herausforderungen bereithalten werden. Von Angelika Gabor
